. Joseph C.
Rossaint - Leben und Wirken
Im Jahre 2002 wäre der
ehemalige Kaplan Joseph Cornelius Rossaint 100 Jahre alt geworden. Er war eine
herausragende Persönlichkeit im Widerstand gegen Krieg und Faschismus. Sein
mutiges Engagement gegen des Nationalsozialismus machten ihn zum
Hauptangeklagten im sogenannten "Katholikenprozeß" vor dem Berliner
Volksgerichtshof. Die Nazirichter verurteilten ihn zu 10jähriger Haft, die er
bis zur Befreiung 1945 auch in Zuchthaus Lüttringhausen absitzen musste.
Seine Amtskirche wandte sich von ihm ab. Auch nach dem 2. Weltkrieg blieb er
bei seiner strikten Ablehnung von Militarismus und Wiederbewaffnung und wurde
weiterhin verfolgt link

Nach seinem Abitur am Collège Patronné begann Joseph Rossaint ab 1921 ein Studium der
Fächer Philosophie und katholische Theologie an der Universität Bonn.
Dort wurde er 1926 auch promoviert. Am 26. Juni 1927 folgte im Kölner
Dom die Priesterweihe. Danach war er fünf Jahre lang
an der Pfarrei St. Marien in Oberhausen
als Kaplan tätig. Im Juli 1932 wurde er von der Kirchenleitung an die Marienkirche in Düsseldorf
versetzt.
Auch politisch engagierte sich
Rossaint. Er wurde Mitglied der Zentrumspartei und war Mitglied im
1919 von Max Josef Metzger gegründeten Friedensbund Deutscher
Katholiken. Er beratschlagte mit jungen Katholiken und Kommunisten,
was man gegen den Nationalsozialismus tun könne. Er nahm
untergetauchte Kommunisten kurzfristig bei sich auf und begann, Bündnisse gegen
den Nationalsozialismus zu schmieden. Als einer der Anführer der katholischen Sturmschar
entwarf und verteilte er Anti-Kriegs-Flugblätter und ähnliche. Er schrieb
bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten über
die verheerenden Folgen derselben und warnte vor dem daraus resultierenden
Krieg. Im April und Mai 1931 gründete er die Aktion „Die Katholische Jugend
gegen Nationalsozialismus“. Im Februar 1932 organisierte er anlässlich der Genfer
Weltabrüstungskonferenz
eine Antikriegskundgebung. Am 23. März
1933 trat er wegen der Zustimmung der Zentrumsfraktion zum Ermächtigungsgesetz aus der
Zentrumspartei aus.
Nach der Übernahme der
Staatsgewalt durch die Nationalsozialisten setzte Rossaint seine politischen
Aktivitäten fort und arbeitete dabei auch mit Kommunisten zusammen. Für die
Stadt Oberhausen berichtet er beispielhaft über die kommunistische
Familie Rentmeister: „Ihre Wohnung wurde zu einem
Zentrum der antifaschistischen Widerstandstätigkeit am Orte...“[1]
Am 29. Januar 1936 wurde Rossaint nach einer Predigt von der Gestapo in der Kirche verhaftet und
als Hauptangeklagter im „Katholikenprozeß“ am 28. April 1937 vom Volksgerichtshof wegen „versuchter Bildung einer Einheitsfront
zwischen Katholiken und Kommunisten“ zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt. Die
Verteidigung dreier Mitangeklagter übernahm Oswald Freisler, der Bruder des später berüchtigten Richters Roland Freisler. Vom 26. Mai
1937 bis zum 19. April 1945 war
Rossaint im Zuchthaus
Remscheid-Lüttringhausen inhaftiert. Mit Hilfe der Anstaltsleitung und von
Angehörigen des Wachpersonals entging er kurz vor seiner Entlassung der
Erschießung durch die Gestapo.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs quittierte Rossaint den Kirchendienst, blieb
aber Priester und wurde Vorsitzender des Bundes
Christlicher Sozialisten. 1949 trat er der Sammlung zur Tat bei, einer nationalistischen und neutralistischen
Kleinpartei. Rossaint hielt die bestehenden Parteien für nicht geeignet, die
Aufgaben nach Kriegsende zu bewältigen, und hielt die Zusammenfassung
„gegenrevolutionärer Kräfte“ in einer neuen politischen Gesamtbewegung für
erforderlich. Für ihn war Deutschland „zum ohnmächtigen Spielball fremder
Mächte“ geworden, „was zum Kriege oder zu einem Kompromiß auf Kosten
Deutschlands führen“ müsse.[2]
Rossaint war 1946
Gründungsmitglied des VVN-Landesverbands Nordrhein-Westfalen. 1957 wurde er zum
Vizepräsidenten der „Internationalen
Föderation der Widerstandskämpfer“ gewählt. Seit 1961 gehörte Rossaint dem
Präsidium der von ihm mitbegründeten „Vereinigung der Verfolgten des
Naziregimes“ (VVN, ab 1971 VVN-BdA) an, von 1971 bis 1990 war er deren
Präsident.[3]
Rossaint gehörte der Leitung des 1974 gegründeten „Komitees für
Frieden, Abrüstung und Zusammenarbeit“ an.[4]
In Bonn gehörte er der Studentenverbindung Rhenofrankonia
Bonn an.[5]